Woody Guthrie zum 101. Geburtstag!

Flattr this!

Heute würde der US-amerikanische Musiker Woody Guthrie seinen 101. Geburtstag feiern. Er war vor allem in den 30er und 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aktiv, einer Umbruchszeit in den USA. Die Wirtschaftskrise erschütterte das Land schwer, dazu kam eine Naturkatastrophe im Mittleren Westen, Guthries Heimatregion. Durch eine verheerende Dürre mussten viele Framer, die ohnehin in der Schuld der Banken standen, ihr Land aufgeben und anderswo ein Auskommen suchen.

Bild: LOC

Bild: LOC


Politische Radikalisierung in harten Zeiten

Guthrie selbst war zwar kein Farmer, sondern verdiente sein Geld als Musiker, Schildermaler und Gelegenheitsarbeiter. Aber er begann sich immer mehr mit dem Schicksal seiner Landsleute zu identifizieren, als er beim Radiosender KFVD in Los Angeles eine Radiosendung machte, deren Hauptpublikum Immigranten aus seiner Heimat waren, die ihr Glück wie er in der großen Stadt suchten. Los Angeles erlebte zu dieser Zeit eine starke Politisierung: Der neu gewählte Präsident Franklin D. Roosevelt hatte als Reaktion auf die Wirtschaftskrise einen bis dahin nie, und auch später nicht wieder, gekannten Linkskurs in der Politik eingeschlagen, als Antwort auf die Stimmung in der Bevölkerung. So erlaubte er 1935 in einem neuen Gesetz die freie Wahl der Gewerkschaften. Viele Linke, oft Kommunisten, begannen die Arbeiter in radikaleren Gruppen zu organisieren. Es gab landesweit Arbeitskämpfe und auch die Politik in Los Angeles und Kalifornien wandelte sich von extrem konservativ zum Liberalen.

Guthries Radiosender bot vielen der neuen und alten linken und progressiven Gruppen Sendezeit an. Guthrie selbst wurde durch seine Erfahrungen mit dem Elend der Flüchtlinge in Kalifornien Kommunist, der sich über die konkreten Probleme hinaus für eine bessere Welt einsetzte – so radikal, dass es selbst dem progressiven, politisch für die Demokraten engagierten Sendechef zu viel wurde, der ihn Ende 1939 entließ. Guthrie ging daraufhin nach New York, wo es die größte kommunistische Szene in den ganzen USA gab – mit weitreichendem Einfluss in der Arbeiter(selbst)organisation und im Kunst- und Kulturbetrieb.


Kampf für ein besseres Leben aller Menschen

Guthrie und seine Mitstreiter/innen setzte sich zu einer Zeit, als Segregation noch zum Alltag gehörte, vehement für die Gleichberechtigung der Afroamerikaner ein – nachdem er zunächst den Rassismus, mit dem er erzogen worden war, abgelegt hatte. Er vertrat auch die Auffassung, dass Frauen und Männer absolut gleichberechtigt sein müssen – auch nicht ganz uneigennützig, denn er glaubte, freie und unabhängige Frauen würden sich entspannter auch mal auf sexuelle Abenteuer einlassen. Für jede/n US-Bürger/in forderte er einen Grundlebensstandard. Dazu gehörten für ihn eine Wohnung, eine Auto, ein Kühlschrank, Kleidung, ein Radio und Lebensmittel – und ein Einkommen, von dem man leben kann, dazu Freizeit, und Taschengeld jenseits der Notwendigkeiten. Er kämpfte auch gegen den Faschismus – in den USA und Europa. Krieg lehnte er generell ab, weil er allein dazu da sei, um den finanziellen Profiteuren aus der einschlägigen Industrie zu dienen. Jedoch bedauerte er nachträglich angesichts des Elends, was er als Matrose in Europa und Nordafrika in Folge des zweiten Weltkriegs sah, dass die USA nicht früher gegen die Expansion der faschistischen Staaten eingeschritten waren.

Würde Guthrie heute leben, wäre er in vorderster Front der Kämpfer/innen nicht nur gegen Neonazis, sondern für Grundeinkommen und Mindestlohn, gegen Immobilienspekulation, für die volle Gleichberechtigung von Homosexuellen und für die menschenwürdige Behandlung von Flüchtlingen. Schon damals gab es einen Feind, der uns auch heute wieder begegnet: Banken und Finanzspekulierer/innen.


Mehr zum Thema hier

Der Artikel ist gut!

Kommentar posten