Öltanker-Crew weigert sich, gerettete Flüchtlinge in Libyen auszusetzen

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Wie Pro Asyl über Facebook unter Bezug auf die Times of Malta berichtet, rettete der unter liberianischer Flagge fahrende Öl-Tanker Salamis vorgestern Nacht vor der libyschen Küste 102 Flüchtlinge auf dem Mittelmeer, darunter 20 Frauen und ein Baby. Sie geben an, aus Äthiopien und Eritrea zu stammen.

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Die italienischen Behörden wiesen daraufhin die Besatzung an, die Flüchtlinge nach Libyen zu einem „sicheren Hafen“ zurückzubringen. „Push Backs“ von Flüchtlingen verstoßen gegen internationales Recht, wenn deren Sicherheit nicht garantiert ist. So weigerte sich die Besatzung, den Anweisungen zu folgen und fuhr mit den Flüchtlingen Richtung Malta weiter. Auch die Maltesische Regierung weigerte sich, die Flüchtlinge an Land gehen zu lassen. Der Tanker wurde jetzt von der maltesischen Armee festgesetzt. Die Reederei der Salamis, die griechische Hellenic Shipping, steht hinter dem Handeln des Kapitäns und der Crew: Sie sei nach internationalem Recht verpflichtet, auf See Menschenleben zu retten und in ein sicheres Land zu bringen, was eben nicht unbedingt der nächste Hafen ist. Wie das Drama weiter geht ist der Times of Malta zu entnehmen. Derzeit streiten sich mehrere Parteien über die Rechtslage, während sich die Bedingungen für die Flüchtlinge auf dem Schiff weiter verschlechtern. Ein Hintergrundbericht auf Englisch dazu hier.

Nach Angaben der Times of Malta hatte ein türkisches Schiff namens Adakent gestern Abend ebenfalls 96 Flüchtlinge vor der libyschen Küste vor dem Ertrinken gerettet. Es folgte jedoch den italienischen Anweisungen und brachte die Geretteten nach Tripolis, wo sie an Land gelassen wurden. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sie von dort aus in ihre Herkunftsländer, soweit sich diese ermitteln lassen, zurückgeführt. Auch wenn sie in Libyen bleiben, fürchten NGOs um ihr Wohlergehen.

Update: Hier die Presserklärung von Pro Asyl

2. Update Wie die Times of Malta berichtet, hat nach diplomatischen Gesprächen zwischen Malta, Griechenland und Italien die italienische Regierung der Aufnahme der Flüchtlinge doch zugestimmt. Am frühen Mittwoch Morgen verließ der Tanker die Gewässer vor Malta in Richtung Syrakus, Sizilien.

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