von November 9, 2013 0 Kommentare Mehr →

Hövding: Airbags für Radfahrer/innen

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Die schwedischen Industriedesignerinnen Anna Haupt und Terese Alstin stellten eine unkonventionelle Lösung vor, wie man das Problem mit Fahrradhelmen und Verkehrssicherheit lösen kann. Die beiden überzeugten Radfahrerinnen hatten vor allem ein Problem mit der Bequemlichkeit der konventionellen Helme. Aber abgesehen von Tragegefühl und einer Ästhetik, an der sich die Geister scheiden, warnen Verkehrsexperten vor einem ganz anderen Problem: Wenn Radfahrer/innen sichtbar einen Helm tragen, fahren Autofahrer schneller und dichter an ihnen vorbei, wie Untersuchungen zeigten. Sie vermitteln offenbar ein falsches Gefühl der „Unverwundbarkeit“, im Übrigen auch den Radfahrer/innen selbst. So rieten Experten sogar teilweise explizit ab, Helme zu tragen.

Foto: Hövding

Foto: Hövding

Das kann sich jetzt ändern, wenn sich die neuen Helme durchsetzen sollten. Sie sind nämlich in einem Kragen versteckt, und blasen sich nur im Notfall auf. Haupt und Alstin forschen daran seit acht Jahren und investierten nach eigenen Angaben 6 Millionen Dollar Fördergelder. Der Airbag aus extrem starkem Nylonstoff, der in einem Schal versteckt ist, wird um den Hals gelegt und breitet sich, wie seine Kollegen, erst im Ernstfall zu voller Größe aus. So können Autofahrer/innen nicht spontan vermuten, dass die Radfahrer/innen sowieso geschützt seien, die Frisur sitzt weiterhin und auch die Wärmezirkulation auf dem Kopf bleibt die gewohnte. Der Airbag ist sogar sicherer als ein konventioneller Helm, da auch der Halsbereich bei einem Unfall mit geschützt wird.

Allerdings hat der Hövding auch noch seine Macken. Er ging zwar 2011 schon in Serienproduktion, nachdem die Designerinnen diverse Tests durchgeführt und einen Alghorithmus entwickelt hatten, der ihn eine wirkliche Sturzsituation erkennen lässt. So bläst er sich nicht zur allgemeinen Belustigung oder gar unnötiger Gefährdung bei jedem Holperer auf, in einer wirklichen Gefahrensituation jedoch schon. Anscheinend gibt es jedoch keine „Reißleine“, mit der man den Mechanismus selber auslösen kann und auch keine Möglichkeit, den einmal aufgeblasenen Helm wieder zurück zu bugsieren – er muss dann ganz ersetzt werden. Auch an Gewicht und sonstigem Tragekomfort muss noch gearbeitet werden. Auch ist der Preis mit 400 Euro noch deutlich höher als beim klassischen Helm und es gibt ihn bisher nur in schmaleren Größen. Letzteres lässt sich sicher bei einer stärkeren Nachfrage ändern. Der Aufblasmechanismus, der bisher auf Helium und einem kleinen Generator im Nacken basiert, muss noch verbessert werden.

Der Hövding (zu Deutsch „Häuptling“) wird in einem neuen Film vorgestellt, der sich für Fahrradfreundlichere Städte einsetzt – Bikes vs. Cars. Mehr dazu hier.

Hövding – Airbag for Cyclists
Bikes vs. Cars Film

The Invisible Bicycle Helmet | Fredrik Gertten from Focus Forward Films on Vimeo.

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