von November 11, 2013 0 Kommentare Mehr →

COSA (Children’s Organisation of Southeast Asia) – Kampf gegen den Mädchenhandel in Südostasien

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Der US-amerikanische Fotograf Mickey Choothesa hatte in seinem Leben drei einschneidende Erlebnisse: Als er 14 war, zog seine Familie aus Bangkok, wo er aufgewachsen war, nach Connecticut. Später arbeitete er als Industriefotograf. Als solcher wurde er versehentlich nach Panama geschickt und zum ersten Mal direkt mit Menschenrechtsverletzungen konfrontiert. Seitdem dokumentierte er diese fotografisch. Weitere 26 Jahre später betrat er zum ersten Mal seit seiner Jugend wieder thailändischen Boden. Er sollte dort den Mädchenhandel im Norden des Landes dokumentieren. Von all den schrecklichen Dingen, die er gesehen hatte, schockierte ihn das, was er hier sah am meisten. Er entschloss sich, zu bleiben und konkret zu helfen. 2005 gründete er gemeinsam mit seiner Frau die Organisation COSA (Children’s Organisation of Southeast Asia).

COSA-Gründer Mickey Choothesa. Foto: cosasia.org

COSA-Gründer Mickey Choothesa. Foto: cosasia.org

Drogenanbau und Mädchenhandel als wichtigste Einkommensquelle

Sein Ziel ist es, nicht nur einige Mädchen vor dem Schicksal, als Prostituierte verkauft zu werden zu bewahren – er und sein Team wollen auch die erschütternden „Traditionen“ verändern, die sich in der nordthailändischen Grenzregion eingebürgert haben, die an Laos und Vietnam grenzt. In der Gegend wohnen viele ethnische Minderheiten. Sie siedelten sich hier teilweise schon vor Jahrhunderten an, werden aber bis heute nicht als thailändische Staatsbürger anerkannt. Hier wohnt ein Großteil der 30% der Menschen des Landes, die unter der Armutsgrenze leben. Die Bergvölker leben meistens von Subsistenzwirtschaft und es mangelt an Bildung.

Mae Salong, ein Bergdorf in Nordthailand / Foto: Wikipedia / Heiko Blau

Mae Salong, ein Bergdorf in Nordthailand / Foto: Wikipedia / Heiko Blau

Die Bergvölker der als „Goldenes Dreieck“ bekannt gewordenen Region bauen Traditionell Schlafmohn an. Er wurde für den Eigenbedarf im Opiumpfeifchen genutzt, aber vor allem seit den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde er auch zum Exportschlager als Rohstoff für Heroin. Die thailändische Regierung ging dagegen massiv vor.

In den letzten Jahre blühte ein anderer „Industriezweig“ massiv auf, der ebenfalls eine lange Tradition hat: Der Verkauf der eigenen Kinder. Nach Angaben von Shine Global wurden aus den ca. 7 000 Dörfern aktuell pro Jahr über 250 000 Mädchen von ihren eigenen Eltern verkauft. Die extreme Armut erleichtert den Menschenhandel, zumal in Thailand von Mädchen erwartet wird, dass sie zum Familieneinkommen beitragen. Mädchen gelten oft als „wertlos“ für die Eltern. Mit dem Einzug der westlichen Sextouristen bekommen sie allerdings einen entscheidenden Wert: Diese zahlen mit über Tausend Dollar für die Nacht mit einem jungfräulichen Mädchen das vierfache eines durchschnittlichen Monatseinkommens in Thailand.

Die Eltern aus den Milieus und Regionen, wo die Mädchen verkauft werden, bauen zunächst gar keine emotionalen Beziehungen zu ihnen auf. Dann entscheidet der Dorfrat, welche der Mädchen verkauft werden. Sie werden dann über ganz Südostasien verteilt und zur Prostitution gezwungen. Während des Vietnamkriegs hatte sich Thailand auch im Westen den Ruf als Land erworben, in dem der Mann alles kaufen kann, was er an sexuellen „Dienstleistungen“ begehrt.

Neuer Ansatz: Nicht nur Einzelne retten, sondern Kultur verändern

Mit COSA soll nun daran gearbeitet werden, diese grausame „Tradition“ zu brechen. Zum einen bietet die Organisation soweit es in ihren Möglichkeiten steht an, dass die Mädchen in ihren Einrichtungen ein gute Schulbildung erhalten können, nicht nur die Hochschulreife, sondern sogar Universitätsabschlüsse werden angeboten. Die Eltern müssen nicht dafür zahlen – ansonsten ist in Thailand der Schulbesuch von über 12jährigen kostenpflichtig. In den COSA-Internaten, in denen auch Freiwilligen aus dem Westen als Englischlehrer/innen, Sozialarbeiter/innen oder Handwerker/innen arbeiten, sollen die Mädchen auch emotionale Stabilität bekommen, um Selbstbewusstsein zu erlangen. Mangelnde Bildung ist ein Grund, warum diese grausame Geldquelle weit akzeptiert ist. Zudem fehlt es an anderen konkreten Einkommensquellen. Der Versuch der Thailändischen Armee, dem Mädchenhandel Einhalt zu gebieten, indem sie die Mädchen einfach zurückbringen ist nutzlos, weil diese dann sofort wieder verkauft werden, meint Choothesa.

Mädchen in einem der COSA-Internate. Foto: cosasia.org

Mädchen in einem der COSA-Internate. Foto: cosasia.org

So geht Choothesa direkt in die Dörfer, verhandelt mit den Dorfältesten und anderen wichtigen Personen, die selber Kinderhändler sind. Er bietet ihnen konkrete Gegenleistungen an, wenn sie den Mädchenhandel aufgeben. Der Aktivist sagt klar: „Was ich da verspreche, muss ich auch einhalten.“ Choothesa beschreibt den Prozess, in den Dörfern Vertrauen aufzubauen, als langwierig, aber dafür nachhaltig. Er kämpft auch hier mit dem wie er sagt weltweiten Problem, dass der Mensch weniger nach seinen persönlichen Qualitäten als nach Besitz bewertet wird – moderne Dinge wie Autos, Satellitenschüsseln und Smartphones. Dabei geraten moralische Bedenken dann schnell in den Hintergrund. Choothesa will über die sozialen Probleme aufklären und mehr Investitionen in Bildung anregen, die ebenfalls zu Wohlstand führen kann.

Derzeit ist die Arbeit COSA Gegenstand von zwei Dokumentarfilmen. Einer, Our Daugters for Sale von Actuality Media, ist bereits ertig gestellt, ein anderer, Selling Our Daugters von Shine Global wird gerade gedreht (der vorläufige Trailer wurde leider gerade auf privat gestellt). Die Organisation freut sich über finanzielle und ideelle Unterstützung. Sie bietet auch Fotoexkursionen an, in denen man mehr über das Leben der Bergbewohner lernen kann. Mehr dazu hier.

Website COSA (English)

Our Daughters For Sale from Actuality Media on Vimeo.

Selling Our Daughters – in Development Trailer from Shine Global on Vimeo.

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Posted in: Asien, Politik, Soziales

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