Moment: Blumen für Bersarin

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blumen bersarin 8 mai (2) 600

Foto: Barbara Mürdter

Ich komme öfter am Bersarin-Platz in Berlin-Friedrichshain vorbei, so auch heute. Wie jedes Jahr lagen dort unter einem Relief an einem Verwaltungsgebäude frische Kränze – als Dank für die Befreiung vom Faschismus und als Erinnerung an die Toten, deren Leben Faschismus, Krieg und der Kampf für eine bessere Welt gekostet haben.

Nikolai Erastowitsch Bersarin war als sowjetischer Generaloberst 1945 der erste sowjetische Stadtkommandant von Berlin. Hier starb er auch am 16. Juni 1945. Als Als Kommandeur der 27. Armee hatte der gelernte Buchbinder, der sich bereit 1918, als Vierzehnjähriger als Freiwilliger zu der gerade gegründeten Roten Arbeiter- und Bauernarmee gemeldet hatte, gegen die Heeresgruppe Nord der deutschen Wehrmacht nach deren Überfall auf die Sowjetunion gekämpft. Von Dezember 1941 bis Mai 1944 war er Oberkommandierender mehrerer Armeen, und wurde bei Wjasma im März 1943 schwer verwundet, weswegen er mehrere Monate im Lazarett lag. Bersarins Stoßarmee erreichte am 21. April als erster sowjetischer Verband den östlichen Berliner Stadtrand bei Marzahn. Als Stadtkommandant setzte er die faschistische Verwaltung ab und sorgte unter sowjetischer Aufsicht für die Wiederherstellung der Ordnung. So organisierte er eine Stadtpolizei, ließ die Gas-, Wasser- und Elektroenergieversorgung in der zum Teil schwer zerstörten Stadt wieder in Gang bringen und vergab Aufträge für die Versorgung der Bevölkerung. Am 16. Juni 1945 starb Bersarin bei einem Motorradunfall in einem LKW-Konvoi in Berlin-Friedrichsfelde, Schloßstraße/Ecke Wilhelmstraße (heute Am Tierpark/Ecke Alfred-Kowalke-Straße), ohne seine Heimat und seine Familie wiederzusehen. Er wurde er auf dem Nowodewitschi-Friedhof in Moskau beigesetzt.

Fast 20 Millionen von Bersarins Landsleuten überlebten den von den deutschen Faschisten angezettelten Krieg nicht. Sechs Millionen der Opfer waren Zivilisten, der Rest von ihnen zumeist junge Männer und auch Frauen, deren Leben noch vor ihnen lag, die ihre Freunde, Familien und Geliebte zu Hause zurückließen, um ihre Heimat zu verteidigen. Insgesamt sind es mehr als 55 Millionen Tote, und hunderte Millionen zerstörter Leben, die uns daran erinnern, dass es keine hohlen Phrasen sind, sondern Schicksale einzelner Menschen, die sich wie wie jeder ein langes und glückliches Leben gewünscht haben, wenn es heißt: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg. Dieser Satz verjährt nicht, und muss jeder Generation wieder mit auf den Weg gegeben und mit Sinn gefüllt werden.

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Posted in: Berlin, Geschichte

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