Oben Ja, unten Nein: Volksentscheid Tempelhofer Feld am 25. Mai 2014

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Morgen ist nicht nur Europawahl – die Berliner/innen sind auch aufgerufen, über die Zukunft des Tempelhofer Felds zu entscheiden. Um die riesige, zentral gelegene Fläche des traditionsreichen ehemaligen Flughafens, der 2008 nach langer Debatte geschlossen wurde und seit 2010 der Öffentlichkeit zugänglich ist, streiten sich mehrere Interessengruppen.

Bereits seit der Schließung des Flughafens setzen sich Initativen für ein Tempelhofer Feld für alle ein.

Bereits seit der Schließung des Flughafens setzen sich Initiativen für ein Tempelhofer Feld für alle ein.

Nachdem verschiedene weitergehende Bebauungspläne bereits an starkem Widerstand aus der Bevölkerung gescheitert sind, will der Senat jetzt eine Randbebauung von 40% des Geländes durchsetzen. Vorgeschoben wird die Wohnungsnot: Man wolle Sozialwohnungen bauen.Allerdings machen die nur 9% der geplanten Bebauung durch die privaten Investoren aus, zudem gilt die Verpflichtung zur vergleichsweise günstigen Vermietung nur für einen gewissen Zeitraum und nicht für immer. Auch gegen eine geplante Staatsbibliothek kann doch niemand was einzuwenden haben, oder? Wo die SPD gerade sehr stark für die bautechnische und ökonomische Katastrophe am Flughafen in der Kritik steht, will sie nun in Tempelhof zeigen, was sie drauf hat. Auch andere Interessengruppen wie die IHK, deren Mitglieder von einer Bebauung stark profitieren würden, stehen hinter den Senatsplänen. Diese werden sogar durch eine durchdesignte eine Pseudo-Bürgerinitiative namens Aktionsbündnis Tempelhofer Feld beworben. Dabei ist jetzt schon klar, dass dieses Prestigeobjekt Tempelhofer Feld Millionen an Steuergeldern verschlingen wird.

Dies ist Teil einer Verwirrungstaktik, die aktuell recht gängig ist und ausnutzt, dass sich viele Bürger nicht genau informieren. Die echte Bürgerinitiative 100% Tempelhofer Feld setzt sich dafür ein, dass das Gelände weiter unbebaut bleibt und 100% den Bürgern gehören soll. Sie entlarven die Pläne des Senats als von einer kleinen Gruppe Profiteur/innen interessengeleitet, und fordert, dass das Tempelhofer Feld weiter wie seit 2010 von allen genutzt werden kann: Zum Spazieren, Radfahren, Skaten, Drachen steigen lassen und zum Urban Gardening. Hier kommen ganz verschiedene Menschen aus der Stadt zusammen, um sich zu erholen und zu entspannen. Zudem hat sich das freie Feld zu einem wichtigen Refugium für Tiere und Pflanzen entwickelt. Weiter ist es ein wichtiger Windkanal für die Stadt – wie wichtig das ist, wissen alle, die schon einmal zu Smog-Zeiten z.B. in Paris, Peking oder Los Angeles waren.

Unter dem Motto „Oben Ja, unten Nein“ haben sie einen Musterstimmzettel online gestellt, damit klar ist, wofür man stimmen muss, wenn man gegen die Bebauungspläne des Senats und für ein frei zugängliches Tempelhofer Feld für alle stimmen will. Sie haben ihre Kritik und ihre Visionen hier formuliert. Eine offizielle Informationsbroschüre zum Thema hier.

Plan A(lternative unterstützt Ja zu 100% Tempelhofer Feld, Nein zu den Plänen des Senats. Ihr habt die Chance, die Zukunft Berlins mitzugestalten. Wählt!

Update: Wie die Berliner Zeitung berichtet, waren um 22.14 Uhr 91,4 Prozent der Stimmen ausgezählt.666.523 Wähler (64,5 Prozent) stimmten für den Gesetzentwurf einer Bürgerinitiative 100% Tempelhofer Feld, der konkurrierende Entwurf des Abgeordnetenhauses für eine Bebauung erhielt nur 418.825 Stimmen (40,5 Prozent) und verfehlte damit klar das notwendige Quorum von rund 622.785 Ja-Stimmen.

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