von Februar 13, 2015 0 Kommentare Mehr →

US-Werbeagentur zielt auch zum Global Divestment Day auf Aktivisten gegen Klimawandel

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Zum Global Carbon Divestment Day, der mit dem Valentin’s Day zusammen fällt, tauchte ein YouTube-Animations-Filmchen einer ominösen Gruppe namens „Environmental Policy Alliance“ auf. Der bizarre Clip, der so schlecht gemacht ist, dass er schon fast wie eine Parodie wirkt, soll die Leute davon zu überzeugen, dass man ja ohne Rohöl und dessen Verarbeitungsprodukte gar nicht leben könne. Ganz nach dem Motto: Breaking up is hard to do.

oil girlfriend

Die Story: Ein junger Mann trennt sich hier von seiner Freundin, einem Ölfass, weil ihm seine Freunde eingeredet haben, fossile Brennstoffe seien schlecht für die Umwelt. Dieser muss dann aber zu seinem Entsetzen sehen, wie sehr ihm seine Öl-Freundin fehlt, denn sein ganzes Haus und seine Alltagsgegenstände verschwinden, da sie alle Öl enthalten. Reumütig kehrt er zu seiner Freundin zurück. Am Ende wird auf die Website BigGreenRadical.com verwiesen.

oil reichs minister

Sowohl die Environmental Policy Alliance als auch BigGreenRadical.com – somit auch das Filmchen – sind Produkte der Werbeagentur Berman & Company aus Washington DC, die sich im weitesten Sinne der Klimawandelleugnung widmet. Seine Gegner – und es sind viele – nennen den Chef Richard Berman „Dr. Evil“, und das nicht zu unrecht: Er vertritt marktradikale und erzkonservative „Werte“ von rechtsaußen und arbeitet gegen alle, die Konzernprofite und den freien Markt gefährden, weil sie die Kosten für Mensch und Umwelt einklagen und sich für eine nahchaltige, humanistische und gerechte Gesellschaft einsetzen. Während sich Berman in einem CBS-Porträt noch als überzeugter konservativer Aktivist und Kämpfer für die Freiheit der Konsumenten präsentieren kann, gelang anderen ein Blick hinter die Kulissen.

Die New York Times hat einen heimlich gemachter Mitschnitt einer Rede zugespielt bekommen, die er auf einem Insidertreffen von Konzernvertretern gehalten hatte. Hier redet Berman Tacheles: Man müsse darauf vorbereitet sein, auch in die Unterste Schublade zu greifen, und zum Beispiel alle Möglichkeiten der Erpressung und des Rufmords gegenüber Umweltaktivisten in Betracht ziehen und nach peinlichen Angriffspunkten – für ihn „Leckereien“ – in ihren Biografien suchen. Man müsse mit Emotionen wie Angst, Gier und Wut arbeiten, und sie gegen die Umweltgruppen einsetzen. Für seine „Big Green Radicals“-Kampagne bekam Berman laut der Recherche allein 3 Millionen Dollar aus geheimen Quellen aus der Öl- und Gasindustrie.

not getting together again

Robert F. Kennedy, Jr. nannte Berman daraufhin in einem Tweet den “Oil Reich’s Minister of Propaganda” und fragte im Hastag „Wie können solche Menschen mit sich selbst leben?“. Die Initiatoren des Global Carbon Divestment Days lachten sich nach eigenen Angaben über Bermans „Gegenkampagne“ schlapp. Ihre Parodie darauf fand Berman aber nicht lustig und ließ sie auf YouTube sperren. Daraufhin dachten sich die Aktivisten von 350.org, die die Fossil-Free-Kampagne initiierten, andere Formen der Parodie aus, die im Netz populär sind, wie diese GIFs, die sagen: Trennung funktioniert sehr wohl – und Tschüss Big Oil, nicht nur am Valentine’s Day.

"Its not you.. It’s me… I don’t want to perpetuate climate destruction." Quelle: gofossilfree.org

„Its not you.. It’s me… I don’t want to perpetuate climate destruction.“ Quelle: gofossilfree.org

Breakup Lines
Ecowatch on Richard Berman
New York Times on Richard Berman
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Posted in: Medien, Nordamerika, Politik

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