Ron Finley: Ein Guerilla-Gärtner in South Central LA

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„Ein Apfelkern mit Haltung“ überschreibt die New York Times ihren Artikel über den Künstler und Designer Ron Finley. Der ist seit einiger Zeit der Held einer modernen urbanen Szene, die ihr ökologisches und soziales Bewusstsein entdeckt. Finley lebt in South Central Los Angeles, “home of the drive-thru and the drive-by,” wie er es nennt. Fastfood wohin man schaut. Die Gegend ist allerdings international für ein ganz anderes Problem bekannt: Gewalt, die aus Armut und Chancenlosigkeit resultiert.

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Als Finley begann, vor seiner eigenen Haustür gesundes Gemüse anzubauen, ahnte er noch nicht, dass er bald eine Initiative begründen würde, die zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann: Die Ernährungssituation und die Haltung der Menschen, ihr Selbstbild und ihren Blick auf die Umwelt zu verbesssern. Zunächst wollte Finlay lediglich Geld sparen und den 45-minütigen Weg zum nächsten Bio-Markt. Erst als die Behörden, denen das Land des Bordsteingartens offiziell gehört, ihm das urbane Gärtnern verbieten wollten, wurde er störrisch. Zudem hatte er eine arme Frau mit ihrer Tochter beobachtet, die heimlich Gemüse aus seinem Garten gemopst hatte. Auch die Nachbarn beäugten den kleinen Garten mit Neugier. Mit Gleichgesinnten entwickelte er vor drei Jahren die Initiative L.A. Green Grounds. Nach Finleys Rechnung gibt es in der Stadt genug ungenutzte Freiflächen für 724,838,400 Tomatenpflanzen.

Hier gärtnern jedoch nicht einfach ein paar Leute am Straßenrand vor sich hin. Wie in anderen sozialen Brennpunkten, z.B. der prototypischen Stadt des Urban Gardenings, Detroit, entwickelt sich über die aus der Not geborene Quelle der gesunden Ernährung auch eine neue soziale Dynamik. Es entwickelt sich ein neue Gemeinschafts- und damit verbundenes Verantwortungsgefühl. Junge Menschen, deren einzige Möglichkeit sich zu profilieren, etwas zu sein, bisher in Mitgliedschaft in kriminellen Banden zu sein schien, lernen, dass Gärtnern, Kochen und sich um die Community zu kümmern cool sein kann und Status verleiht. Indem sie Verantwortung für die Natur übernehmen, übernehmen sie auch Verantwortung für ihre Mitmenschen – und sich selbst.

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Finley gewann im vergangenen Jahr in einen weltweiten Wettbewerb einen Auftritt im Rahmen des renommierten TED-Talks (s.u.). Er überzeugte mit seiner extrovertierten, authentischen Art, seiner Herkunft – er wuchs mit sieben Geschwistern in der Gegend in South Central LA auf, wo 1992 die berüchtigten Riots ausbrachen – und der Dringlichkeit seines Anliegens. Er wurde seitdem nicht nur von Stars wie dem britischen Comedian Russell Brand hofiert, die seine Persönlichkeit und seine Mission beindruckt hatte und bekam Kooperationsangebote von großen Firmen – das Video ging über sämtliche Social Networks und hat inzwischen fast einer Million Views. Es inspirierte Menschen in aller Welt – und Los Angeles selbst. Finley, der seine Brötchen als Fitnesstrainer und Modedesigner verdient, wurde zum Gesicht und Botschafter einer unaufgeregten, aber bedeutsamen Freiwilligenbewegung – ein moderner Johnny Appleseed.

Website Ron Finley
Website L.A. Green Grounds

Fotoquellen: Facebook / Website Ron Finley

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