von November 19, 2013 0 Kommentare Mehr →

Peepoo – Toilettentütchen für Slumbewohner/innen und Flüchtlinge

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Was für uns völlig normal ist, ist für 40% der Weltbevölkerung ein Problem: Der Gang zur Toilette, wenn es drückt. Fast drei Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu adäquaten sanitären Einrichtungen. Abgesehen vom persönlichen Ungemach wird davon ausgegangen, dass 70% der Krankheiten, wie Typhus und Cholera, weltweit durch mangelnde sanitäre Einrichtungen verbreitet werden. Besonders in den wachsenden Slums an den Rändern der Großstädte in Entwicklungsländern ist die mangelnde sanitäre Ausstattung eine Katastrophe. Hier drängen sich Menschenmassen auf engem Raum in notdürftig zusammengezimmerten Hütten. In Kibera, einem Slum am Rand der kenyanischen Hauptstadt Nairobi, kommen z.B. eine Toilette auf 300 Menschen. Diese sind oft stark verschmutzt und Frauen werden hier verstärkt belästigt.

Foto: peepoople.com

Foto: peepoople.com

Auch wenn diese lernen, ihre Notdurft zu unterdrücken und sich oft stundenlang quälen, muss das Geschäft irgendwann irgendwo erledigt werden. Die aktuelle Lösung ist, sich dann einfach in eine Plastiktüte zu erleichtern, besonders nachts, wo sich niemand auf die gefährlichen Straßen traut. Diese wird dann einfach auf die Straße entsorgt, denn es gibt auch keine funktionierende Müllabfuhr. Das die Beutel dann einfach aus dem Fenster geworfen werden, haben sie sich den Namen „Fliegende Toilette“ eingebracht.

Da der Ausbau eines klassischen Sanitärsystems zu langwierig und komplex ist, um eine rasche Lösung für diese im wahrsten Sinne des Wortes drängenden Probleme zu schaffen, machten sich schwedische Designer/innen diese einfache und unkonventionelle Lösung zunutze, um eine hygienische und umweltfreundliche „Toilette“ für Slumbewohner/innen zu entwickeln.

Peepoo nennt sich die Tüte aus abbaubarem Plastik. Sie besteht aus einem äußeren Beutel, in der ein weiterer steckt. Darin befinden sich ein Harnstoff-Granulat, das innerhalb von zwei bis drei Wochen Krankheitserreger aus den Ausscheidungen abtötet. Peepoo kann in einen Eimer gesteckt werden wie ein Müllbeutel. Nach dem verrichteten Geschäft können die Beutel zu einer Abgabestelle gebracht werden. Hier bekommen die Menschen einen Teil des Geldes wieder, den sie für die Beutel bezahlt haben. Von den Sammelstellen werden die Fäkalien wieder verkauft, da sie als Dünger verwendet werden können. So werden gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Menschen können ihre Notdurft vergleichsweise bequem verrichten, die umweltschädlichen konventionellen Plastetüten mit ihrem unhygienischen Inhalt voller Krankheitserreger sind von der Straße und mit dem Dünger können wieder Nahrungsmittel angebaut werden, die zur Eigenversorgung dienen.

Noch ist Peepoo in der Testphase in Kibara, wo es seit 2010 ausgegeben wird und über 5 000 Stück am Tag benutzt werden. Das Projekt soll 2014 auf die zehnfache Menge ausgedehnt, und im Jahr darauf noch einmal verdoppelt werden. Möglicherweise ist das kleine Tütchen bald in den Slums weltweit im Einsatz, um den Menschen dort das Leben ungemein zu erleichtern – aber auch für Kriegsflüchtlinge in Auffanglagern oder Opfer größerer Natur- und Umweltkatastrophen, die vor dem gleichen Problem stehen. Gerade hat Peepoople eine Millionen Tüten in die vom Taifun Haiyan bzw. Yolanda am schwersten verwüsteten Regionen auf den Philippinen gesandt.

Quelle der Angaben: Peepoople.com / AFP

Website Peepoo
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