von Dezember 10, 2013 0 Kommentare Mehr →

Elektroautos kommen – auch für den öffentlichen Nahverkehr?

Flattr this!

Mit utrakompakten Elektroautos, Carsharing und App-Ortung ließe sich eine neue Form des öffentlichen Nahverkehrs, ähnlich den öffentlichen Fahrradstationen, gestalten

Elektroautos kommen

Mit seiner viel verspotteten Werbung für den neuen BMW i3 hat der Ex-Außenminister und BMW-Berater Joschka Fischer zumindest eins geschafft: Das Elektroauto an sich wieder ins Gespräch zu bringen.

Gerade kürzlich hat der Branchendienst für Elektromobilität, electrive.net, die Ergebnisse einer Umfrage zur privaten Ladeinfrastruktur veröffentlicht. Immerhin sind bis 2020 950.000 Ladepunkte für Elektro-Fahrzeuge in Deutschland geplant – davon fast 800.000 im privaten oder gewerblichen Umfeld.

Schnittiger Schlitten: Das Tesla Model S wird von der FAZ als bisher einziges brauchbares Elektroauto gepriesen // Foto: Tesla Motors

Schnittiger Schlitten: Das Tesla Model S wird von der FAZ als bisher einziges brauchbares Elektroauto gepriesen // Foto: Tesla Motors

Funktioniert die Infrastruktur, würde nicht nur dem BMW i3, sondern auch anderen Elektroautos einen Absatzmarkt garantiert. Und diese kommen: Gerade kriegt der Rezensent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Schnappatmung, wenn er vom aus seiner Sicht bislang „einzigen alltagstauglichen E-Auto“ berichtet. Das kommt aus den USA und heißt Tesla Model S. Es fährt zwar nicht mit Wunderkräften, wie der Name suggeriert, kann aber durch eine hohe Anzahl an Akkus, die auf 4,97 Meter Wagenlänge unterflur verbaut und 800 Kilo schwer sind. eine viermal so große Reichweite wie der BMW aufweisen – theoretisch 500 Kilometer, bei Idealbedingungen (Fahrtempo 88 km/h im Schnitt, keine Steigung), etwa die Hälfte in der Praxis.

Der Verkehr der Zukunft muss anders aussehen

Der Haken: Mit knapp 50 000 Euro kostet er fast das Doppelte wie sagen wir die einfachste Ausführung der Mercedes A-Klasse im Grundpreis. Damit ist er für Normalbürger eher weniger erschwinglich. Aber das Hauptproblem: Der Verkehr der Zukunft sollte nicht aus dicken Schlitten und Individualverkehr bestehen, wie es der Autolobby lieb wäre. Seit Jahrzehnten wird von Verkehrsexpert/innen, die nicht in kurzfristigem Profitinteresse, sondern nachhaltig denken, der Ausbau eines vernünftigen Nahverkehrssystems (inklusive Radinfrastruktur) eingefordert. Das sollte die Zukunft des Transport sein. Das würde nicht nur die Umwelt entlasten und die Anzahl und Schwere der Unfälle verringern, sondern auch die Verkehrsdichte in den Ballungsgebieten erheblich reduzieren. Dies zeigt z.B. untenstehendes GIF sehr deutlich, die kürzlich durch die Social Media geisterte (via Peter from Texas).

tumblr_mvqe8gUMzP1qzft56o1_500

Einen Weg dahin, oder zumindest eine akzeptable Kompromisslösung, könnten die Winz-Elektroautos sein, die gerade in Japan vorgestellt werden, so genannte „Ultracompacts“. Wie die Japan Times berichtet, werden in einigen Städten wie Yokohama, wo man mit Nissan zusammenarbeitet, diese Autos an die Menschen herangeführt, indem man sie öffentlich testen kann.

Öffentlicher Nahverkehr mit kleinen, fahrerlosen Elektro-Ultracompacts?

In Zusammenhang mit einem Carsharing System und Ortung über Apps könnte so ein sinnvolles und bequemes öffentliches Verkehrsnetz der Zukunft geschaffen werden. Schon heute sind kleinere Elektrofahrzeuge als Shuttles oder Ausflugstaxis im Einsatz, wie z.B. die Wagen der Global Electric Motorcars (GEM) in den USA. Hier könnten die Vorzüge des Indiviadualverkehrs – direkt vor die Haustür zu gelangen, allein im Fahrzeug zu sein, etwas transportieren zu können – mit Umweltfreundlichkeit und Entlastung der Infrastruktur verbunden werden. Denkbar wäre auch eine Ausstattung mit Solarzellen, die ebenfalls in letzter Zeit eine rasante Entwicklung gemacht haben in pucto Effizienz und Flexibilität.

Ein Ultracompact Elektrowagen von Nissan - eher putzig als schick, dafür besser für Umwelt und Infrastruktur // Foto: Nissan Motors

Ein Ultracompact Elektrowagen von Nissan – eher putzig als schick, dafür besser für Umwelt und Infrastruktur // Foto: Nissan Motors

Carsharing wird gerade in Deutschland nach langen Jahren verstärkt angenommen, wie die Süddeutsche berichtet. Aus den USA kommen neue Untersuchungen, die den Rückgang des Individualverkehrs bestätigen – u.a., weil man mit Apps öffentliche Nahverkehrsmittel, aber auch die Standorte für Car- bzw. die Routen und Ride-Sharing unkompliziert abrufen kann. Da auch die Entwicklung des fahrerlosen Autos große Fortschritte macht, kann man sich eine nicht allzu weit entfernte Zukunft vorstellen, in der es möglich ist, sich ein ultrakompaktes Elektroauto einfach vor die Tür zu bestellen, das einen von A nach B bringt. Und das gleich in der benötigten Größe: Ein-, Zwei- oder Mehrsitzer, oder auch etwas für einen größeren Transport. Ob das dann ein kommunales System ist oder ein kommerzielles, ist eine politische Entscheidung.

10 Personen gefällt der Artikel

Kommentar posten