von Dezember 13, 2013 0 Kommentare Mehr →

Morethanshelters – mobile Notunterkünfte weltweit / Crowdfunding für Syrien

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Flucht vor Krieg, bei Vertreibung, Hunger und Naturkatastrophen, aber auch Obdachlosigkeit in der westlichen Welt gehören zu den größten sozialen Problemen der Gegenwart. Fast 50 Millionen Menschen leben in temporären Zeltstädten, oft für Jahrzehnte, 100 Millionen sind obdachlos, und fast drei Milliarden hausen in Slums, in zusammengezimmerten Behausungen oft ohne Elektrizät und sanitäte Versorgung. Und die noch schlechtere Nachricht: Bis 2050 wird sich nach Schätzungen der Vereinten Nationen ihre Zahl verdreifachen.

Bild via morethanshelters.org

Bild via morethanshelters.org

So haben in den letzten Jahren mehrere Designer versucht, das Leben dieser Menschen durch die Konstruktion günstiger, aber adäquaterer mobiler Behausungen zu erleichtern – von großen Firmen, die ihr Image aufpolieren wollen, wie die IKEA-Foundation, bis zu sozialen Unternehmen. Ein solches ist Morethanshelters, gegründet 2012 in Hamburg. Ein interdisziplinäres Team aus den Bereichen Architektur, Wissenschaft, Design, Technik und Ingenieurswesen will hier langfristig menschenwürdigen Wohnraum für Flüchtlinge und Slumbewohner schaffen – und sie auch selbst zu aktiven Mitgestaltern ihrer Zukunft machen.

Ihre erste Entwicklung ist eine Kuppelstruktur namens DOMO (von englisch dome für Kuppel, und dem lateinischen Wort domus für Haus, „MO“ im Zweifel auch für mobil). Über die Grundstruktur können verschiedene den klimatischen Bedingungen angepasste Stoffe gezogen werden, aber auch Stein- und Holzstrukturen. Nach einem modulares Prinzip können baukastenartig auch andere ergänzende Elemente wie Solarzellen etc. hinzugefügt werden, und die einzelnen Kuppelzelte können auch durch Verbindungsgänge zu größeren Strukturen zusammengefügt werden, um unterschiedlichen Ansprüchen und Verwendungszwecken gerecht zu werden. Wert legen die Designer auch auf die soziale Kompatibilität in verschiedenen Kulturkreisen. Die Materialien, die von Morethanshelters verwandt werden, sind alle nachhaltig im Sinne des Cradle-to-Cradle-Prinzips. Die Grundausstattung soll nicht teurer sein als aktuelle Standardlösungen.

Foto via morethanshelters.org

Foto via morethanshelters.org

Die ersten DOMOS sollen 2014 fertig sein und getestet werden. Zwei Projekte sind konkret bereits geplant: Eins in Soweto in Südafrika. Hier sollen über drei Monate mit den Menschen vor Ort Lösungen für Gemeinschaftshäuser, die als Begegnungsstätten funktionieren sollen, gefunden werden. Das Projekt ist Teil des EI-geförderten Kunstprojekts Nine Urban Biotopes – Negotiating the Future of Urban Living, initiiert vom Berliner Kunstverein urban dialoges.

Das zweite Projekt ist in al Azraq, Jordanien geplant: In Jordanien entstand durch den Krieg in Syrien mitten in der Wüste, in Zataari, eines der weltweit größten Flüchtlingslager mit mehr als 120.000 Bewohner/innen. Abgesehen von den unwürdigen Lebensumständen dort ist dessen Kapazität ausgeschöpft, noch weitere Menschen auch nur mit dem Nötigsten zu versorgen. Es ist zu erwarten, dass noch deutlich mehr Menschen aus Syrien fliehen müssen, während unklar ist, wann sie zurückkehren können – wenn überhaupt. So soll ein neues Lager in der Nähe der jordanischen Hauptstadt Amman errichtet werden. In Zusammenarbeit mit dem Technischen Hilfswerk will Morethanshelter so viele Einheiten wie möglich dort hinbringen und sie zusammen mit den Betroffenen den Bedingungen vor Ort anpassen. Zur Finanzierung läuft aktuell ein Crowdfunding.

Unterstützen kann man das Projekt auch, indem man sich selbst ein DOMO kauft – entweder für andere, oder für das eigene Grundstück, so es genug Platz hat. Zum Preis von 1.500 € zzgl. Mehrwertsteuer kann es jetzt schon vorbestellt werden und wird Anfang nächsten Jahres ausgeliefert.

Website More Than Shelters
Aktuelles Crowdfunding für Syrien

via

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