von Januar 21, 2014 0 Kommentare Mehr →

DIY: Möbel aus Pappe

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Laut Herstellerangaben werden in Europa jährlich ca. 2,6 Millionen Tonnen Karton aus Primärfasern und ca. 3,6 Millionen Tonnen aus Sekundärfasern produziert (ohne Tetrapacks etc. für Flüssigkeiten), weltweit sind es rund 35 Millionen Tonnen. In jedem Supermarkt, Baumarkt oder Möbelmarkt fallen täglich große Mengen Kartonabfall an, in der Industrie, aber auch in privaten Haushalten als Umverpackung von neu erworbenen Produkten, aber auch Paketen. Zwar werden über 80% Altpapier- und Pappe entsorgt, aber schon allein der Transportweg ist eine zusätzliche Belastung, zumal trotz enormem Rückgang noch immer ein Teil davon nach China exportiert und nicht lokal aufbereitet wird. Außerdem ist der neueste Stand der Dinge, dass das Upcyling dem Recycling vorgezogen werden sollte – also die Aufwertung der für den Müll bestimmten Produkte zu neuen, statt die Materialien einfach zu schreddern.

Flyboard-Regal - Josef Ruhm mit Falt- und Steckprinzip // Foto: Wikipedia / Bob Martens - TU Wien

Flyboard-Regal – Josef Ruhm mit Falt- und Steckprinzip // Foto: Wikipedia / Bob Martens – TU Wien

So haben sowohl Designer als auch Recycling-Fans sich ausführlich damit beschäftigt, was man auch Pappe so alles machen kann. So manch eine Idee kommt einem bekannt vor aus kargen Tagen. In den 60ern war das sogar schon mal Mode, und in Frankreich ist es schon seit einigen Jahren wieder angesagt. Hier geht es um raffiniertere Ideen als einen Schuhkarton bunt zu bekleben. Pappe ist leicht zu verarbeiten – die Werkstatt ist der eigene Schreib- oder Wohnzimmertisch bzw. der Fußboden.ist, Und sie richtig verbaut, erstaunlich stabil. So gibt es diverse optisch und ingenieurstechisch teilweise ausgefuchste Ideen für verschiedene Stühle, ganze Schränke und Organizer. Die kann man sich, so man hat, für teuer Geld beim Designerhersteller kaufen (der im Idealfall seine Rohstoffe vom Altpapierverwerter hat oder sie als Abfall von Firmen bezieht), oder aber man nimmt die Anregung und bastelt selber los. Mit etwas Geschick und Übung lassen sich sogar Sachen herstellen, die mehr sind als Übergangslösungen, wenn das Geld mal knapp ist oder man nur kurz an einem Ort ist und bald wieder umzieht.

Bezugsquellen:
Wellpappen kann man ganz regulär in den entsprechenden Ausführungen relativ günstig neu kaufen – aber das ist nicht Sinn der Sache. Man kann in diversen Märkten nachfragen, wo größere Pappen anfallen, aber auch in Firmen. Kartons fallen in jedem Laden an. Man kann auch bei den lokalen Recyclingunternehmen nachfragen und die Pappen abgreifen, bevor sie abtransportiert oder geschreddert werden. Wer sich den Aufwand nicht machen will, kann bei Materialwiederverwertern wie der Material-Mafia nachfragen, ob die sowas haben.

Anregungen, Baupläne und Anleitungen
Einen Überblick über diverse Möglichkeiten kann man sich ganz einfach in jeder Suchmaschinen verschaffen: „Pappmöbel„, “meubles en carton”, „Cardboard furnitures“ oder „Mueble de Cartón“ eingeben und auf die Bildersuche gehen und man bekommt schon einen Eindruck, dass der Phantasie da wenig Grenzen gesetzt sind. Und mit ein wenig handwerklichem Geschick und ein bisschen Zeit lassen sich viele Sachen auch nachbasteln.

Hat man erstmal die Grundprinzipien in der Konstruktion der Teile verstanden, ist das alles auch gar nicht so schwierig. Für Stühle oder Sofas, die viel Belastung aushalten müssen, verschränkt man eben entweder die Pappen, um ihnen die notwendige Stabilität zu verleihen oder man nimmt eben ganz viele auch gern schon schlabberige Pappen, und klebt sie zusammen. Beide Prinzipien lassen sich auch auf andere Konstruktionen anwenden, um ihnen Stabilität zu verleihen. Weitere Prinzipien lassen sich hier finden. Stehen die Wellen senkrecht, ist der Karton relativ belastbar und stark, liegen sie waagerecht, macht es ihn weicher. Für Rundungen schneidet man auf einer Seite das umgebende Papier ein, so dass sich der Karton dort biegen lässt.

Wichtig ist, sich vorher eine Skizze zu machen, und auch genau zu messen. Bei komplizierteren Arbeiten bietet sich sogar an, ein kleines Modell zu fertigen. Für gleiche Teile sollte man sich Schablonen anfertigen. Bauanleitungen finden sich endlos im Netz, allerdings meistens auf Englisch, Französisch oder Spanisch. Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn man sieht ja auf den Bildern, wo es langgeht.

Wer das Kartonfarbene nicht mag, kann die Möbel übrigens später nicht nur anstreichen oder mit Papier bekleben, sondern auch Stoffe, Tapete oder Wachstuch nehmen.

Hier ein paar Beispiele. Weiter Tipps und Anregungen gern in die Kommentare schreiben!

Verschiedene Bauanleitungen und Anregungen

  • Pearltrees.com (Englisch / Französisch)
  • Pappmöbel bei Handmadekultur (Deutsch)
  • Drei Modelle, die man mit Kindern nachbauen kann bei Foldschool (Englisch)
  • einige Anregungen via Curbly (Englisch)
  • Diverse Tipps und Anleitungen via eHow, leider ohne Bilder (Englisch)
  • Anregungen für Fortgeschrittene via Ponoko
  • Seite französischer Kartonkünstler/innen (Französisch)
  • Anregungen bei Desing Stange aus Berlin, wo man aufgrund der korrekten Preise aus zuschlagen kann, wenn man an den eigenen linken Händen verzweifelt; hier auch im TV
  • Anregungen via Elenor auf Pinterest
  • verschiedene Video-Anleitungen via Cardboard Furniture Designer (Englisch)
  • verschiedene Video-Anleitungen via Kartongroup Australia (Videos, Englisch)
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    Stühle

  • Tetris via WEMake
  • Designer-Lehnstuhl via Kabeleins
  • einfacher Papphocker via Agentur Rindle (auch zum Kaufen)
  • Sessel via YouGizmos (Video, Englisch)
  • Lehnstuhl via brusspup
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    Regale / Organizer:

  • Regal via Instructables
  • Tischorganizer via Maria Amora (Video / Spanisch, Englisch)
  • Schuhregal via nat4design
    (Video, Englisch)
  • Regal via eechodecee (Video, Englisch)
  • Regal via YOUTUBPRIKOLY
  • kleiner Schrank via IDEASyMUCHOMAS (Video, Spanisch)
  • Kommode mit genauer Bauanleitung via Melanie auf Makster
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    Mehr Videos

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    Posted in: Aktiv, Design, DIY, Recycling, Umwelt

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