Textilsiegel soll kommen – als Selbstverpflichtung

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Sind es die anstehenden Europawahlen? Ausgerechnet ein CSU-Politiker, der Bundesentwicklungsminister Gerd Müller, kündigt an, dass es noch in diesem Jahr ein offizielles Textilsiegel für in Deutschland verkaufte Ware geben soll. Das sagte er heute in einem Interview mit der Welt am Sonntag. Das Siegel soll nach seinen Worten für nachhaltig produzierte Kleidung stehen und dazu führen, dass in den Produktionsländern soziale und ökologische Standards eingehalten werden, bei Arbeitsschutz und Mindestlöhnen, aber auch in Gerbereien und der Textilerzeugung und -behandlung. Dies sei laut Müller eine Reaktion darauf, dass die Industrie zu wenig auf Katastrophen wie den Einsturz der Textilfabrik in Bangladesh im vergangenen Jahr getan hätte.

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Absurd ist es dann allerdings, dass er zunächst auf eine Selbstverpflichtung der Textilindustrie setzt. Erst wenn dieses nicht funktioniert, soll es gesetzliche Vorschriften geben. Da es aber nach jedem Unfall und auch nach jeder kritischen Studie von Greenpeace bisher verbale Bekenntnisse gab, sich zu bessern, die jedoch kaum eingehalten wurden, ist die Wirksamkeit von Selbstverpflichtungen eher anzuzweifeln. Auch wie das angestrebte Internetportal funktionieren soll, in dem die Verbraucher/innen einsehen können, ob bestimmte Firmen sich an die versprochenen Standards halten ist noch unklar. Wenn die Firmen hier unkontrolliert selbst Auskunft geben sollen, ist das nichts als ein verlängerter Arm ihrer PR-Maschinerie.

Müller übersieht dabei auch offenbar die strukturellen Ursachen, und hofft, die Probleme mit einem Runden Tisch klären zu können anstatt mit strikten strengeren gesetzlichen Vorgaben und entsprechenden Kontrollen. Wenn es diese nicht gibt, wird es wenig nutzen wie bestehende Textilsiegel, die häufig nur Greenwashing sind. Wichtig ist, dass sowohl das Endprodukt als auch die Herstellung und die Arbeitsbedingungen kontrolliert und bewertet werden. Dies zumindest fordert auch Müller für das neue Siegel.

Der Minister sieht Deutschland hier in einer Vorreiterrolle in Europa – seine Kollegen aus Frankreich und den Niederlanden hätten schon signalisiert, „dass sie mitmachen wollen“. Wirkliche wirksam wird so ein Siegel allerdings nur mit klaren gesetzlichen Forderungen an die Industrie, die auch forciert werden.

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